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Feb
2005

Folgen durch Elektrosmog müssen untersucht werden

29.01.2005

Interview: Peter Wolter

»Folgen durch Elektrosmog müssen untersucht werden«

Gesundheitliche Beeinträchtigung: Die Ärzte-Initiative Bamberger Appell fordert die Verbannung von Mobilfunkantennen aus Wohngebieten. Ein Gespräch mit Dr. Cornelia Waldmann-Selsam

* Dr. Cornelia Waldmann-Selsam ist Mitinitiatorin des Bamberger Ärzteappells

F: Sie organisieren am Wochenende ein internationales Symposium in Bamberg über Gesundheitsgefährdungen durch den Mobilfunk. Bisher hieß es doch immer, Mobilfunk sei ungefährlich.

Wir haben in den letzten Monaten in ganz Oberfranken Menschen befragt und untersucht, die im Umfeld von Mobilfunkstationen leben. Dabei und bei Messungen mußten wir zu unserer Erschütterung feststellen, daß viele dieser Menschen erhebliche Beschwerden haben und zum Teil schwer krank sind.

F: Was hat Sie zu der Studie motiviert?

Die Initiative Bamberger Appell wurde im vergangenen Sommer gegründet, nachdem Pläne bekannt wurden, in Bamberg, wie in anderen Städten auch, in Wohngebieten zahlreiche neue Mobilfunkantennen aufzustellen. Daraufhin haben die Anwohner bei ihren Hausärzten um Rat gefragt und um Hilfe gebeten. Mehrere Ärzte haben sich daraufhin mit den potentiellen Gefahren durch Elektrosmog intensiver befaßt. Aufgrund unserer jüngsten Erkenntnisse plädieren wir dringend dafür, von einem weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes abzusehen, weil zuwenig über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen bekannt ist. Ein weiterer Ausbau ist auch nicht notwendig, weil es ein flächendeckendes Netz bereits gibt.

F: Welche Folgen könnten durch Elektrosmog auftreten?

Menschen, die nahe solcher Antennen wohnen, leiden vermehrt unter Tinnitus, häufigen Infekten oder Herz-Rhythmus-Störungen. Oft können sie nachts nicht schlafen, haben Kopfschmerzen, die Kinder haben Konzentrationsschwierigkeiten. Das alles ist noch unerforscht, stellt sich aber als ein neues Krankheitsbild für uns Ärzte dar. Mittlerweile haben wir in Zusammenarbeit mit Technikern Messungen in fast 400 Häusern durchgeführt. Dabei haben wir festgestellt, daß sich schon bei 50 Mikrowatt pro Quadratmeter gesundheitliche Störungen einstellen. Der gesetzliche Grenzwert liegt derzeit bei 4,5 bis zehn Mikrowatt pro Quadratmeter.

F: Aber richtig aussagekräftig wird eine solche Messung doch erst, wenn man Vergleichswerte von Haushalten hat, die nicht nahe Funkantennen liegen.

Solche Vergleichsmessungen haben wir auch durchgeführt, und sie haben unsere Befürchtungen über negative gesundheitliche Auswirkungen bestätigt. Dort, wo keine Strahlung meßbar war, hatten die Leuten auch keine der typischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Der Verdacht auf eine negative Wirkung des Elektrosmog erhärtet sich auch durch eine weitere Beobachtung: Wenn Menschen mit den typischen Beschwerden sich eine Weile nicht zu Hause aufhalten, verschwinden die Symptome in der Regel. Für uns ist das ein starkes Indiz für den räumlichen Zusammenhang.

F: Es gibt Parallelen zur Häufung von Leukämiefällen in der Umgebung von Atomanlagen im schleswig-holsteinischen Geesthacht. Die dortige Landesregierung hat sämtliche Untersuchungsergebnisse zurückgewiesen. Was fordern Sie von der Politik?

Wir drängen darauf, daß an diesen Standorten gezielt der Gesundheitszustand der Menschen untersucht wird. In Anbetracht der eindeutigen Hinweise ist es völlig unverständlich, daß dies noch nicht geschehen ist. Es gibt zahlreiche Studien, die unsere Beobachtungen untermauern. In Deutschland aber bleiben die Behörden weitgehend untätig.

F: Von wem sind vergleichbare Studien erstellt worden?

Schon vor Jahren haben Ärzte des Freiburger Appells das Phänomen Elektrosmog untersucht. Wir haben zu den Kolleginnen und Kollegen Kontakt aufgenommen. Sie hatten ähnliche Beobachtungen gemacht wie wir und diese auch immer den zuständigen Ministerien gemeldet. Geschehen ist aber auch in diesem Fall nichts.

F: Wenn sich Ihr Verdacht bestätigen würde, dann wären ganze Industriezweige betroffen. Könnte das nicht ein Grund für die Zurückhaltung sein?

Wir würden diesen Verdacht nicht aussprechen, wenn er sich nicht aufdrängen würde. Die untersuchenden Ärzte halten schließlich auch eine Zunahme von Tumoren für möglich. Entsprechende Beobachtungen gibt es schon jetzt. Aus einigen Teilen Oberfrankens erreichen uns alarmierende Hinweise von Medizinern, denen eine Häufung von unterschiedlichsten Tumoren im Umfeld von Mobilfunkanlagen auffällt.

F: Wie kann man sich schützen?

Auf dem Kongreß werden wir eine Resolutionsentwurf vorlegen, in dem gefordert wird, daß diese Mobilfunkantennen aus Gebieten, in denen Menschen wohnen, arbeiten und sich dauerhaft aufhalten, wieder entfernt werden. Das ist die einzig akzeptable Schlußfolgerung.

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1. Bamberger Mobilfunksymposium
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