29
Nov
2006

Ärztekammer warnt vor Verharmlosung möglicher Gefahren durch Handystrahlung

Anbei eine aktuelle Presseaussendung der Ärztekammer für Wien zum Thema:

Ärztekammer warnt vor Verharmlosung möglicher Gefahren durch Handystrahlung

Utl.: 10 medizinische Handyregeln sowie Warnungen des Obersten Sanitätsrates sind immer noch aktuell =
//www.aekwien.or.at/news_p.py?Page=1&id_news=4874


Mag. Kristin Posch

Referat für Öffentlichkeitsarbeit,
Kommunikation und Medien der
Ärztekammer für Wien
Abteilung Pressestelle
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Tel. +43/ 1 / 51501 - 1407
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Homepage: //www.aekwien.at


Mi, 29.Nov 2006

"10 medizinische Handyregeln" sowie Warnungen des Obersten Sanitätsrats sind immer noch aktuell

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer hält ihre Warnung vor möglichen gesundheitlichen Gefahren, die von Mobilfunkstrahlen ausgehen könnten, aufrecht. "Gerade Studien, die methodisch sauber und wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurden, sind ein deutlicher Beleg für negative Auswirkungen von übermäßigem Telefonieren mit dem Handy. Daher müssen wir auch weiterhin vor möglichen gesundheitlichen Konsequenzen warnen", lässt sich Erik Huber, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, nicht von gegensätzlichen Aussagen beirren.

Die "10 medizinischen Handyregeln" der Ärztekammer seien immer noch "brandaktuell", betont der Umweltreferent. Schließlich könnten die so genannte "Reflex-Studie", die einen gentoxischen Effekt von Mobilfunkstrahlen ergeben habe, sowie auch erste Teilergebnisse aus der "Interphone-Studie", die ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Hörnerv-Tumore nach zehn Jahren Handytelefonie belegen, "von der Mobilfunklobby nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden". Huber rät vor allem Eltern, bei ihren Kindern auf einen sorgfältigen Umgang mit Mobiltelefonen zu achten.

Wie sehr sich die Menschen diesbezüglich Sorgen machen, zeigt auch die Tatsache, dass die Ärztekammer-Plakate mit den "10 medizinischen Handyregeln" aufgrund der enormen Nachfrage bereits in dritter Auflage mit einer Gesamtauflage von 21.500 Stück gedruckt werden mussten. Huber: "Vor allem Schulen und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus ganz Österreich bestellen nach wie vor." Aufgrund der vielen Anfragen aus dem Ausland gäbe es die Plakate bereits in mehreren Sprachen, so in Englisch, Französisch, Italienisch, Schwedisch, Polnisch, Ungarisch, "und seit Kurzem auch in Niederländisch."

Huber weist darauf hin, dass sich auch das Gesundheitsministerium den Ratschlägen der Ärztekammer bereits in vielen Punkten angeschlossen habe. So liegt eine Empfehlung des Obersten Sanitätsrats vor, die unter anderem eine Minimierung der Exposition bei der Standortwahl von Mobilfunksendeanlagen vorsieht.

Forschung muss im Sinne der Bevölkerung unabhängig bleiben

"Natürlich will ich kein totales Handyverbot. Diese Technologie ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, und ich kenne durchaus auch die positive Seiten", so Huber. Die rasante technische Entwicklung der mobilen Kommunikation überhole allerdings die biologische Erforschung ihrer Auswirkungen bei Weitem. Huber: "Die Risikobewertung von neuen Produkten beruht immer auf Zell- und Tierexperimenten. Keine Firma der Welt entwickelt ein Arzneimittel, das bei Versuchstieren oder in Zellexperimenten Krebs auslöst, und sagt dann, das werde beim Menschen schon nicht auftreten."

Die langfristigen Auswirkungen und Spätfolgen könnten derzeit noch nicht abgeschätzt werden, daher gelte uneingeschränkt das Vorsorgeprinzip. "Bis wir überzeugende Langzeitergebnisse haben, die gesundheitliche Folgen glaubwürdig und substanziell ausschließen, ist maximale Vorsicht geboten", warnt Huber, voreilig die Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen.

In diesem Sinne fordert Huber auch die Kennzeichnung von Mobiltelefonen mit SAR-Werten sowie die Beilage der von der Ärztekammer herausgegebenen "10 medizinischen Handyregeln" beim Verkauf eines Mobiltelefons. Zudem sei es nötig, dass die Industrie vermehrt Forschungsmittel bereitstelle, um die Langzeitauswirkungen von Handystrahlen auf den Menschen zu erforschen. Huber kann sich vorstellen, dass die Akademie der Wissenschaften oder ein ähnliches Institut mit einem Forschungsauftrag betraut werde, um die Unabhängigkeit der Forschung zu bewahren.

Der Wissenschaftliche Beirat Funk sei keinesfalls dafür geeignet, um von der Mobilfunklobby unbeeinflusste Forschung im Sinne der Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. "Der WBF sieht sich zwar als unabhängiges Expertengremium", so Huber. "Ich bezweifle aber stark, dass ein vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie eingerichteter Ausschuss mit dem Ziel, seriös Befürchtungen zu zerstreuen, tatsächlich objektiv und neutral mit dem Thema Mobilfunk umgehen kann und soll."

Huber abschließend: "Handys sind, wie wir alle wissen, ein beliebtes Weihnachtsgeschenk und avancieren immer mehr zum trendigen Accessoire bei den Jugendlichen - ein riskanter Trend, solange wir nicht 100-prozentig wissen, dass Mobiltelefone auch langfristig keine gesundheitlichen Gefahren für die Menschen bedeuten." (kp)

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