31
Jan
2005

Symposium in Bamberg: Ärzte und Wissenschaftler warnen vor Gesundheitsgefahren

Symposium in Bamberg: Ärzte und Wissenschaftler warnen vor Gesundheitsgefahren: „Das Ergebnis der Naila-Studie ist kein Einzelfall“

Mobilfunk und die Folgen: „Wir müssen handeln“

VON MATTHIAS WILL

Mobilfunk-Kritiker (von rechts): Dr. Gerd Oberfeld von der Landessanitäts-Direktion Salzburg, Professor Dr. Karl Hecht aus Berlin, Dr. Helmut Heyn von der Ärzteinitiative „Bamberger Appell“, Dr. Horst Eger, Hauptinitiator der „Naila-Studie“ und Dr. Martin Virnich, Mitarbeiter eines Ingenieurbüros für Baubiologie und Umweltmesstechnik in Mönchengladbach FOTO: WILL

Wissenschaftler, Ärzte und Bürger haben beim 1. Bamberger Mobilfunk-Symposium eindringlich vor den Gefahren von Mobilfunkanlagen gewarnt. Dass dieses Thema die Menschen stark beschäftigt, zeigte die große Resonanz: Mit mehreren Hundert Besuchern war der Hörsaal im Markushaus der Otto-Friedrich-Universität voll besetzt.

BAMBERG – „Früher war die Menschheit so schlau, zu reagieren, wenn bestimmte Anhaltspunkte vorlagen. Heute wird gefordert, dass der Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Gesundheitsschäden lückenlos nachgewiesen wird. Das ist Unsinn“, sagte Dr. Gerd Oberfeld, Mitarbeiter des Referats für Gesundheit, Hygiene und Umweltmedizin in der Landessanitäts-Direktion in Salzburg. Studien über GSM-Basisstationen – GSM ist ein weltweites Standardsystem für Telekommunikation – hätten belegt, dass sich das Risiko von Stresskrankheiten wie Depressionen oder Schlafstörungen im Umfeld von solchen Anlagen signifikant erhöhe. „Es besteht hier absoluter Handlungsbedarf“, betonte Oberfeld. Entscheidend sei das Verhalten der Konsumenten. „Wenn die Leute wie bekloppt ihr Handy benutzen, ist es kein Wunder, dass immer neue Anlagen errichtet werden.“

Der Berliner Professor Dr. Karl Hecht kritisierte, bei der Festlegung von Grenzwerten seien „der Willkür Tür und Tor geöffnet“. Sie seien nutzlos, wenn der Zeitfaktor nicht mit einbezogen werde. Kurzzeitstudien seien deshalb ohne Aussagekraft. Er, Hecht, habe in über 1000 wissenschaftlichen Arbeiten von russischen Forschern recherchiert. Die Untersuchungen der Wissenschaftler hätten ergeben, dass elektromagnetische Felder langfristig zu teils erheblichen Gesundheitsschädigungen führten. „Ich habe mehrfach versucht, diese Erkenntnisse dem Bundesumweltministerium mitzuteilen. Aber ich bin immer abgewimmelt worden.“ Hecht forderte, dass der verfassungsrechtliche Schutz der körperlichen Unversehrtheit auf dauerhafte Befindlichkeitsstörungen ausgeweitet werden müsse.

Der Nailaer Allgemeinarzt Dr. Horst Eger stellte die so genannte Naila-Studie vor, wonach im Umkreis von 400 Metern von einer Mobilfunkanlage bei den Patienten eine auffällig höhere Krebsrate festgestellt wurde. Eger präsentierte auch eine israelische Studie. Wissenschaftler seien zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Region Netanya die Zahl der Krebspatienten im näheren Umkreis von Mobilfunkanlagen erheblich höher sei als in entfernter gelegenen Gebieten. Der Nailaer Arzt kritisierte die Strahlenschutzbehörden, die derartige Forschungen seit Jahren ignorierten. Zu den Vorwürfen von Umweltbehörden, sie hätten wichtige Daten der Studie nicht vorliegen, sagte Eger: „Wir können manche Daten auf Grund unserer ärztlichen Schweigepflicht nicht herausgeben.“ Beim Thema Mobilfunk stünden Politik und Industrie in der Pflicht, „dafür zu sorgen, dass nicht der Eindruck von einer Vermischung gegenseitiger Interessen entsteht“.

„Das Ergebnis der Naila-Studie ist kein Einzelfall“, meinte Dr. Reinhold Jandrisovits, Allgemeinarzt im österreichischen Müllendorf – ein Ort mit etwas über 1000 Einwohnern. Bei seinen Patienten sei die Zahl der Tinnitus-Fälle seit der Errichtung zweier Mobilfunkstationen deutlich gestiegen. Dies sei erst nach einer „Latenzzeit“ von zwei Jahren zum Vorschein gekommen. Auch klagen die Bürger im Umkreis der Anlagen nach Aussage des Arztes zunehmend über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Muskelverspannungen. Immer mehr Patienten, vor allem jüngere, hätten zudem Krebsgeschwülste. „Als ich mit meinen Kollegen darüber gesprochen habe, wurde ich als Spinner abgetan“, erzählte Jandrisovits, der auch Sprecher der Mobilfunk-Initiative Burgenland ist.

Dr. Martin Virnich, der in einem Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik in Mönchengladbach arbeitet, ging auf UMTS ein – das sind Telekommunikationssysteme, mit deren Hilfe mehr Daten in noch schnellerer Geschwindigkeit transportiert werden können. „Alle Basisstationen eines Anbieters senden auf der gleichen Frequenz. Das widerspricht den Regeln der Nachrichtentechnik.“ Die Strahlungsdichte sei bei UMTS und GSM etwa gleich. „Eine Aussage darüber, welches System gefährlicher ist, kann man zum jetzigen Zeitpunkt, noch nicht treffen.“ Virnich betonte, dass die Höhe der Immissionen, die durch Mobilfunkanlagen verursacht werden, nicht allein davon abhänge, wie häufig ein Handy benutzt werde. „Der Organisationskanal der Basisstation arbeitet Tag und Nacht. Eine gewisse Grundbelastung ist immer vorhanden.“

Dr. Birgit Stöcker vom „Verein für Elektrosensible“ in München berichtete von ihren schwierigen Bemühungen, dafür zu sorgen,„dass Elektrosensibilität und -sensitivität als Krankheiten ernst genommen werden“. Von Mobilfunkbetreibern, aber auch von Umweltbehörden sei sie stets darauf verwiesen worden, dass es keinen wissenschaftlichen Nachweis über die schädigende Wirkung von Mobilfunkanlagen gebe. „Dabei ist alles bekannt, aber die Patienten werden mit solchen Scheinargumenten verschaukelt“, klagte sie.

Mehrere Familien schilderten ihre persönlichen Erfahrungen als Hausbewohner im unmittelbaren Umkreis einer Mobilfunkanlage. Eine Mutter sagte, sie sei mit ihrem Mann und ihren Kindern sogar umgezogen, weil die gesundheitlichen Beeinträchtigungen so stark gewesen seien.

Der Messtechnik-Experte Dr. Rainer Müller kritisierte den bisweilen allzu hohen wissenschaftlichen Anspruch, mit dem sich mancher dem Thema Mobilfunk widme. „Ich habe 90 Prozent von dem, was hier heute vorgetragen wurde, nicht verstanden. Wir müssen den Leuten die Problematik so erklären, dass sie sie verstehen.“ Die bisherigen Studienergebnisse seien wenig befriedigend. Trotz mancher Mängel im Detail sei die Naila-Studie ein Fortschritt gewesen, weil sie aus einer Privat-Initiative heraus entstanden sei. „Wir brauchen mehr Wettbewerb in der Forschung. Es gibt zu viele wissenschaftliche Verwertungsmonopole.“ Das Ringen um Finanzmittel erschwere es, die Unabhängigkeit der Forschung zu wahren, so Müller.

//www.frankenpost.de/nachrichten/regional/resyart.phtm?id=747552

Dazu auch:

Bericht vom Mobilfunksymposium am 29.1.05 in Bamberg

HLV INFO 18--31-01-2005/AT

Einladen hatte die Ärzteinitiative Bamberger Appell unter Leitung von Dr. Helmut Heyn (Foto links) und Frau Dr. Cornelia Waldmann-Selsam. Gekommen waren ins Bamberger Markushaus rund 350 Teilnehmer, neben vielen Ärzten auch Baubiologen, Vertreter von Bürgerinitiativen und Elektrosmoggeschädigte.

Das Programm war übervoll gepackt - 15 Referenten in neun Stunden ! Da musste sogar die Mittagspause ausfallen. In den drei Kurzpausen und zu Beginn und Ende war dennoch reichlich Gelegenheit, mit den Referenten und untereinander ins Gespräch zu kommen.

Welches Fazit und welcher rote Faden ergibt sich aus den Beiträgen der Veranstaltung ?

Die wissenschaftliche Seite (Prof. Hecht, Prof. Warnke) ist sich unterdessen einig, dass die Quantenenergie der Mobilfunkstrahlung zu gering ist, um die Zelle zu ionisieren und damit direkt zu schädigen.

Elektromagnetische Felder (EMF) werden aber mit absoluter Sicherheit als einer von mehreren Stressoren angesehen, die die Bildung von freien Radikalen auslösen sowie deren Gegenspieler, die Antioxidantien verringern können.

Die freien NO-Radikale können lt. Prof. Ulrich Warnke im Körper zu nitrosativen-/oxidativen Stress führen, woraus sich folgende physiopathologische Folgen ergeben:

· Störung der Mitrochondrientätigkeit
· Störung der Zuckerverwertung
· Störung der Neurotransmitterfunktion
· Störung der Apoptose (programmierter Zelltod)
· Erzeugung von vererbbaren Mutationen
· Superoxid- und Peroxinitritbildung (hochtoxisch)
· u.a. Störungen

Prof. Karl Hecht wies insbesondere auf die Bedeutung der Einwirkdauer von EMF hin. In den ersten 5 bis 30 Minuten passiert nichts bzw. ergibt sich sogar eine Zustandsverbesserung. Erst ab 30 Minuten sind negative Einflüsse erkennbar. Es hat deshalb irreführend, wenn in Studien nur eine kurzzeitige Bestrahlung der Probanden vorgenommen wird um daraus Schlüsse zu ziehen.

Hecht untersuchte jahrelang Patienten mit chronischen Schlafstörungen, die durch Stressoren wie Lärm oder EMF ausgelöst werden können. Er erkannt folgende Sekundärfolgen von Schlafstörungen:

· Diabetes mellitus
· Hypertonie
· Herzattacken
· Schlaganfall
· maligne Tumore
· Asthma, Bronchitis
· Depressionen

Die Krankheitssymptome aus der wissenschaftlichen Forschung wurden durch die Berichte der Elektrosmoggeschädigten bestätigt und konkretisiert. Aus den Schilderungen von drei betroffenen Familien zeigten sich viele Parallelen auf:

· das Problembewusstsein für Mobilfunk war zunächst nicht vorhanden

· öffentliche Stellen haben falsche Angaben gemacht, z.B. der Sender ist noch nicht in Betrieb

· es erkrankte die gesamte Familie (Eltern, Kinder, Haustiere)

· die schulischen Leistungen der Kinder verschlechterten sich beträchtlich

· nach dem Umzug in eine andere Wohnumgebung waren die Beschwerden weg

· hohe wirtschaftliche Verluste durch Abschirmmaßnahmen oder Aufgabe des Eigentums

· in einem Fall ergab sich eine chronische Elektroallergie

· ein Faradayscher Käfig funktioniert auf Dauer nicht

Für die Psychotherapeutin Dr. Christine Aschermann ergaben sich ab Ende 1997 vollkommen neue Krankheitsbilder in ihrer Praxis. Im Jahre 1998 kamen 18 Patienten, die körperlich sehr krank wirkten, ohne die Ursachen zu kennen. Christine Aschermann wusste damals auch noch nichts vom Mobilfunk. Sie fragte bei den Gesundheitsbehörden nach, bekam aber keine Hilfestellung.

Erst nach und nach kam sie auf den Mobilfunk als Störquelle. Sie konnte schließlich die Patienten nach Regionen einteilen, die mehr oder weniger bestrahlt wurden.

Dr. Aschermann berichtete von folgenden Symptomen:

Fehlleistungen, Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, Gelenkschwellungen, wirr im Kopf, ausrasten, manische (überschwängliche) Phasen, Depression, Ängste und Unruhe, zappeln und Grimassen schneiden, Potenzstörungen, Thrombose des Augennervs, Tinnitus. Einige Patienten hatten starre, glänzende Augen, andere ein geschwollenes Gesicht.

Naila - kein Einzelfall

Mehrfach hatte der Nailaer Arzt Dr. Eger in öffentlichen Vorträgen seine Kollegenschaft aufgefordert, die Nailastudie anderenorts zu wiederholen. Diesem Aufruf ist nun der praktische Arzt Dr. med. Reinhold Jandrisovits aus Müllendorf (Österreich) gefolgt.

Auf dem Mobilfunksymposium stellte er seine Untersuchungsergebnisse vor. Dr. Jandrisovits betreut eine Gemeinde mit 1.200 Einwohner südöstlich von Wien. Als Hausarzt hat er rund 90% der Einwohner in seiner Kartei und kennt deshalb die Krankheitsverläufe sehr gut.

Von 2000 bis 2001 wurden in Müllendorf drei Mobilfunksender installiert. Ab dem Jahre 2002 verzeichnete der Mediziner eine Zunahme zunächst nicht erklärbarer Beschwerden wie z.B.

· Schlafstörungen
· Ruhelosigkeit
· Anspannung
· Erschöpfungszustände
· Wortfindungsprobleme
· Bluthochdruck und erhöhten Puls

Die Schlafstörungen gaben folgende Datenkette: 2001 - 16 Personen, 2002 - 47, 2003 - 80

Erst im Lauf des letzten Jahres brachte Dr. Jandrisovits die Beschwerden der Einwohner mit den Mobilfunksendern im Ort in Zusammenhang.

Er ließ daraufhin mit einigen Probanden einen Test machen: Bei besonders starken Gesundheitsstörungen sollten diese Personen ein Aufzeichnungsgerät bedienen. Gleichzeitig wurde eine Langzeitaufzeichnung der Emissionsspitzen der Sendeanlagen durchgeführt. Die Graphik zeigte eine verblüffende Übereinstimmung von Spitzen der Emission mit dem Ausmaß von gesundheitlichen Störungen.

Dr. Jandrisovits arbeitet inzwischen mit der Landessanitätsdirektion in Salzburg eng zusammen.

Diese Arbeit zeigt auf, dass niedergelassene Ärzte die Möglichkeit haben, ihre Daten aus den Patientenberichten mit dem Aufbau von Mobilfunksendern in Zusammenhang zu bringen. Der Aufruf von Dr. Eger und Kollegen aus Naila hat somit bereits einen Erfolg verzeichnet.

Joachim Weise

Quelle: //www.baubiologie-regional.de/eine_news.php3?nNewsID=288


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M.f.G.

Alfred Tittmann
c/o HESSISCHER LANDESVERBAND MOBILFUNKSENDERFREIE WOHNGEBIETE e.V.


1. Bamberger Mobilfunksymposium
//omega.twoday.net/stories/484614/

Bericht vom ersten Mobilfunk-Symposium Bamberg
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Schädigungen des Menschen durch Hochfrequenzsender sind seit Jahrzehnten "Stand des Wissens"
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Folgen durch Elektrosmog müssen untersucht werden
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„Eine unterschätzte Gefahr“
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Beobachtungen eindeutig - Mobilfunk ist gesundheitsschädlich
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