20
Jul
2005

Lösen Strahlen von Mobilfunk-Antennen Gesundheitsschäden aus?

Volksbegehren gescheitert - Masten bis zehn Meter bleiben genehmigungsfrei - Erbitterter Schlagabtausch zwischen Betreibern und Initiatoren

von Alexander Görlach

München - In Bayern hat die Ökologische Partei (ÖDP) gegen die Mobilfunkindustrie und deren Interessenvertreter gekämpft - und verloren. Mit einem bundesweit ersten Volksbegehren sollten künftig alle Sendemasten und Antennen genehmigungspflichtig gemacht werden. Bislang gilt dies nur für Anlagen, die höher als zehn Meter sind. Nur 400 286 Personen, das sind 4,4 Prozent aller Wahlberechtigten, hatten sich in den ausgelegten Listen in den Rathäusern des Freistaats eingetragen. Zehn Prozent hätten es sein müssen, um die Gesetzesvorlage der ÖDP im Bayerischen Landtag einzubringen.

In den knapp zwei Wochen des Volksbegehrens haben sich Netzbetreiber und Öko-Partei erbitterte Gefechte geliefert. Die Mobilfunker argumentierten: Je mehr Antennen, desto besserer Empfang. Je dichter die Antennen zudem beieinander seien, um so kleiner sei die Leistung, mit der sie arbeiten müssten. Gesundheitsschäden gäbe es dadurch keine. Für die ÖDP war und ist - auch nach verlorenem Referendum - die Leistung der Antennenanlagen die Crux. Um noch im letzten Winkel der Republik Mobilfunk zu garantieren, sei die Leistung zu hoch eingestellt und verursache dadurch Gesundheitsschäden und Krankheiten bis hin zu Krebs.

Klaus Buchner, Bundesvorsitzender der ÖDP und Professor für Physik an der Technischen Universität München, führte bei seiner Argumentation stets eine Erhebung an, die in der bayerischen Stadt Naila durchgeführt worden war. Sie habe ergeben, "dass langfristige Schäden durch Mobilfunkantennen messbar sind". Die Krebsrate habe sich in stark belasteten Gebieten in Naila fünf Jahre nach Aufnahme des Sendebetriebs 1994 verdreifacht. Die als gefährlich definierten Territorien liegen in einem Radius von 400 Metern um die beiden Sendemasten.

In der Zentrale der Initiative "Mobilfunk in Bayern" hat man wiederum mit Kritik an Buchner nicht gespart. "Sämtliche Expertenkommissionen und auch das Bayerische Gesundheitsministerium lehnen diese Untersuchung von Naila rundweg ab", sagte Mathias Walther, der Sprecher der Gruppe. Die Abschlussuntersuchung zu dieser Studie liege bis heute nicht vor. Kritik an der Arbeit weise insbesondere auf das "Fehlen geeigneter Parameter hin, die eine Verbindung zum Mobilfunk herstellen könnten", fasst Walther zusammen.

Erwähnt werden muss, dass die Initiative "Mobilfunk in Bayern" auch mit Netzbetreibern zusammenarbeitet. Deshalb verweist man bei der Initiative mit besonderer Freude darauf, dass unabhängige Gremien wie der Bayerische Gemeindetag das ÖDP-Volksbegehren ebenfalls abgelehnt haben. Unisono haben Netzbetreiber und Mobilfunkinitiative der ÖDP vorgeworfen, gezielt die Ängste der Bürger zu instrumentalisieren.

Die Öko-Partei versicherte hingegen, dass es ihr nicht darum geht, Mobilfunk generell zu verteufeln. "Wenn sie mit dem Handy telefonieren, gefährden sie nur sich", sagt Claus Scheingraber, ein Weggefährte Buchners. Der Körper gewöhnlicher Handytelefonierer, der sich kurzfristig durch Telefonate in einer erhöhten Feldstärke befindet, repariere ständig Zellen, die durch die Wellen zerstört werden. "Aber gegen die Antennen kann ich mich als normaler Bürger nicht wehren", sagt Scheingraber. Deswegen sollte jede Anlage dieser Art erst einem Genehmigungsverfahren unterzogen werden, bei dem auch die Gesundheit der Anwohner eine Rolle spielen soll. Die größte Gefahr gehe für Menschen während der Nacht aus, meint Buchner. Im Schlaf produziere der Körper nämlich den Krebsabwehrstoff Melatonin. Die elektromagnetischen Wellen der Handymasten aber störten die Bildung dieses Hormons. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in der Zwischenzeit erklärt, dass man nur mit komplizierten Messgeräten bestimmen kann, ob konkrete elektromagnetische Wellen nun von Mobilfunkantennen oder anderen Quellen ausgehen.

Die ÖDP verweist auch darauf, dass sich Mobilfunkantennen negativ auf den Wert von Immobilien auswirken. "Menschen haben Angst vor Mobilfunkstrahlung und meiden Wohnungen in Antennennähe", wird der Münchner Makler Hubertus von Medinger zitiert. Oftmals würden bei Wertgutachten Abschläge zwischen fünf und 15 Prozent des Verkehrswertes berücksichtigt, "abhängig von der Entfernung zu den Antennen".

Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU) wertete das Scheitern des Volksbegehrens als klares Votum für den bestehenden Mobilfunkpakt. In dem Abkommen mit der Staatsregierung haben sich die Mobilfunkkonzerne bereit erklärt, die Kommunen über geplante Standorte zu informieren. Laut Schnappauf hätte ein Erfolg des Volksbegehrens nur den bürokratischen Aufwand erhöht.

Artikel erschienen am Mi, 20. Juli 2005

//www.welt.de/data/2005/07/20/748122.html


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