13
Mai
2005

Hochfrequenzen wirken auf Organismus

Dr. Cornelia Waldmann-Selsam aus Bamberg berichtete von ihren Erfahrungen mit Mobilfunksendemasten

BAD STAFFELSTEIN. "Mobilfunk macht krank" lautete das Thema eines Vortrags des Bund Naturschutz im Foyer der Adam-Riese-Halle. Referentin und Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam aus Bamberg berichtete von ihren Erfahrungswerten und die Risiken der Hochfrequenzen.

Elisabeth Kraus erläuterte zu Beginn, dass das Thema Mobilfunk und dessen Risiken auch in Bad Staffelstein ganz vielen Leuten auf den Nägeln brenne: Grund dafür sei das Bestreben der Mobilfunkbetreiber, den bestehenden Sendemast zu verstärken. Problematisch sei dabei, dass sich der Sender in unmittelbarer Nähe zum Alten- und Pflegeheim, zur Obermain Therme, zu Arztpraxen und zum Klinikum befinde. Die Risiken dieser Technologie bedenke man dabei nicht: Die Hochfrequenzen hätten negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus - und außerdem sei das Bad Staffelsteiner Netz bereits jetzt ausreichend abgedeckt im Bereich des Mobilfunks.

Tumorerkrankungen

Dr. Cornelia Waldmann-Selsam berichtete von nachgewiesenermaßen erhöhten Fallzahlen von Tumorerkrankungen in unmittelbarer Nähe zu Sendemasten (Studie Naila), doch keiner gehe hin und überprüfe, warum das der Fall sei: "Der Grund liegt auf der Hand: Man will schlichtweg nichts finden", betonte die Referentin.

Gleiche Beobachtungen habe man in Hof gemacht: Hier stehe seit zehn Jahren ein Mast direkt im Wohngebiet, im Umkreis von 100 Metern sei es zu 40 Karzinom-Erkrankungen gekommen: "Diese Zahlen sind Wahnsinn - doch es passiert nichts, keiner kümmert sich." Dass elektromagnetische Felder und Hochfrequenzen keine Gesundheitsgefahren darstellen, sei eine irreführende Behauptung: "An keinem einzigen Standort Deutschlands wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz oder anderen Wissenschaftlern eine Erhebung über Kopfschmerzen oder Schlafstörungen gemacht. Außerdem sind nicht die Physiker und Radiologen Experten für die menschliche Gesundheit, sondern wir Ärzte", mahnte sie.

Erfolgreich gewehrt

In Bamberg habe sich die Bürger- und Ärzteschaft gegen weitere Sendemasten gewehrt, habe dem Stadtrat die Risiken aufgezeigt: 130 Ärzte haben sich zum "Bamberger Appell" zusammengeschlossen - und es habe gewirkt, man konnte das Aufstellen weiterer Sendemasten (vorerst) verhindern. Selbst habe sie sich ein Messgerät für elektromagnetische Felder und Hochfrequenzen gekauft. In 356 Haushalten in ganz Oberfranken habe sie dann Erhebungen und Messungen gemacht - und das Ergebnis sei erschreckend gewesen: Je höher die Belastung pro Quadratmeter, desto mehr klagten die Menschen über Schlafstörungen, Wesensveränderungen, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Unbehagen, Immunschwäche, Tinnitus, Übelkeit und mehr. "Auch der DECT-Standard bei schnurlosen Telefonen ist sehr bedenklich: 24 Stunden am Tag funkt die Basisstation, sogar durch Decken und Wände", erläuterte die Ärztin. Anders dagegen der Standard "CT1+", der nur funke, wenn man wirklich auch telefoniere. "Eine DECT-Basisstation ist nichts anderes wie ein Sendemast im eigenen Haus", unterstrich Dr. Cornelia Waldmann-Selsam. "Hochfrequenzen führen zu einem neuen Krankheitsbild mit vielen Symptomen", bilanzierte die Bambergerin. Hautnah ließen sich die Zuhörer von Gabriele Zieglschmid aus der Domstadt schildern, wie sich durch die Einwirkungen von Hochfrequenzen durch einen nahen Sendemasten ihre ganze Familie veränderte. Sie sprach sogar von seiner "Mobilfunk-Mafia", die sich nur um den Profit und nicht um die Gesundheit der betroffenen Menschen kümmere.

"Wir dürfen uns unsere Zukunft und unsere Gesundheit nicht zerstören lassen", forderte auch Dr. Cornelia Waldmann-Selsam. Sie verwies auf ein Volksgehren "Für Gesundheitsvorsorge beim Mobilfunk", das vom 5. bis 18. Juli laufe. Ein reger Erfahrungsaustausch mit Diskussion schloss sich an. Einige Gäste allerdings mahnten, dass man so realistisch sein müsse, dass Handys für einige Berufe unabdingbar seien und nicht völlig verbannt werden können. Dennoch müsse man sich über die Risiken von Mobilfunksendern in Wohngebieten klar werden und Lösungen finden.

Wenig Interesse bei Stadträten

Moniert wurde gegen Ende, dass sich vom Stadtrat nicht gerade viele hatten blicken lassen, obwohl das Thema Bad Staffelstein derzeit akut betreffe. Anerkennenden Applaus gab es dagegen für Werner Freitag (SBUN), Heike Kolb (SPD) und Zweiten Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU), die als einzige aus dem Gremium zum Vortrag gekommen waren. -mdr-


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