18
Mrz
2005

Gegen den „Krebsmacher“ vom Burgberg

Anwohner begehren gegen Funkturm auf: Bürgerinitiative "Senderfreies Lichtenfels" gegründet

Christoph* leidet unter Herzrhythmusstörungen, er ist elf Jahre alt. Peter* ist sehr launisch und aggressiv, die Ärzte diagnostizierten dem Achtjährigen das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS). Beide Kinder wohnen am Lichtenfelser Burgberg, von dem seit rund 35 Jahren ein knapp 60 Meter hoher Funkmast Fernseh-, Radio-, Funk- und seit gut einem Jahrzehnt auch Mobilfunksignale sendet.

„Wir wollen, dass der Sendemast abgebaut wird.“ Sven Eisele vom Stadtgraben hat deswegen zusammen mit 20 anderen Anliegern des Stadtteils vor kurzem die Bürgerinitiative ,,Senderfreies Lichtenfels" gegründet. Für den 35-jährigen Krankenpfleger und seine Mitstreiter ist der Funkturm die Ursache für diese Auffälligkeiten. Und nicht nur für diese. Eisele: „In den letzten Jahren sind am Burgberg immer mehr Menschen an Krebs erkrankt, alte wie junge. Das wissen wir aus Gesprächen mit Anwohnern.“ Und aus Gesprächen mit Kollegen: Einige Krankenpfleger haben ihm verraten, dass in einer Straße des Stadtteils Krebs vermehrt die Todesursache zu sein scheint. Einer anderen Kollegin ist dies laut Eisele ebenfalls aufgefallen.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative haben nach der Aussage des 35-Jährigen, der sich zurzeit auf Erziehungsurlaub befindet und um seine vier Kinder kümmert, festgestellt, dass zahlreiche Anwohner Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Herzrhythmusstörungen aufweisen. „Diese werden im übrigen immer öfter bei Menschen beobachtet, die in der Nähe von Mobilfunkmasten leben“, weiß Eisele.

Neben den verschiedenen Sendern halten die Gegner des Turms auch die großen Richtfunktrommeln für problematisch. ,,Eine Funkstrecke verläuft über den Bereich Goldberg und Friedhof, die andere in den Grabenweg", erklärt der Krankenpfleger. Beide sind seiner Meinung nach viel zu nah am Wohngebiet. "Wieso kann man solch eine Sendeanlage mit TV, Radio, Mobilfunk und den anderen Antennen nicht auf einem der unbewohnten umliegenden Berge installieren?", will der 35-Jährige wissen.

Hunderprozentig wissenschaftlich beweisen lässt sich die Strahlung des Senders als Ursache für die Krankheiten nicht, das weiß Eisele. Immerhin beschäftigt er sich seit vergangenem November intensiv mit der Problematik. ,,Ein Vortrag im Stadtschloss über Mobilfunk hat mich so beunruhigt, dass ich selbst aktiv geworden bin." Er besuchte Informationsveranstaltungen zum Thema ,,Elektrosmog", forschte im Internet und legte sich diverse Bücher zu. Bei der Schmökerei stieß er auf sehr viele Studien, die auf eine Gesundheitsgefährdung durch die Strahlen hindeuten.

Sorgenfalten

Seither zeichnen sich auf seiner Stirn immer mehr Sorgenfalten ab. "Es gibt so viele Untersuchungen, deren Ergebnisse eindeutig auf die Schädlichkeit des Elektrosmogs hinweisen." Eisele erzählt von einem Fall im spanischen Valloid. Dort bauten Mobilfunkbetreiber gegenüber einer Schule einen Sendepark mit sechs Masten auf. ,,Plötzlich erkrankten binnen zwei Jahren vier Schulkinder an Leukämie." Experten hätten auch bei Erwachsenen eine vermehrte Krebshäufigkeit gefunden. In den 30 Jahren zuvor sei bei den Schülern kein einziger Krebsfall aufgetreten. ,,Kann das Zufall sein?", will Eisele wissen.

Trotz diesem und vieler weiterer Beispiele weigere sich die Regierung, die Grenzwerte für die Strahlung beim Mobilfunk zu senken. Diese liegen für das D-Netz bei 4,5 Watt je Quadratmeter, beim E-Netz bei neun Watt je Quadratmeter. Für Eisele und die Bürgerinitiative sind sie auf alle Fälle viel zu hoch. Der Grenzwert für elektromagnetische Wellen bezeichne die Schwelle, bei der die Wellen den Körper um ein Grad erwärmen, erläutert der Familienvater. Der 35-Jährige verweist auf eine Untersuchung, die bereits eine gesundheitliche Gefährdung bei einer Strahlung sieht, deren Stärke nur einem Bruchteil der deutschen Grenzwerte entspricht.

Davon kann Sven Eisele bisher nur träumen. Zwar freut er sich zusammen mit der Bürgerinitiative, dass die Stadt den Ausbau des Mobilfunknetzes vorläufig gestoppt hat. Doch in Sachen Fernsehturm passierte bisher nichts. Bei Behörden fragte er vergeblich nach Informationen an, doch weder Stadtverwaltung noch Landratsamt konnten Auskunft geben und verwiesen auf die Regulierungsbehörde, die Nachfolgeorganisation des Postministeriums. ,,Vier Mal hab' ich bei der Regulierungsbehörde in Bayreuth angerufen, sogar einen Brief geschrieben. Das war vor fünf Wochen. Gemeldet hat sich aber trotz Zusage bisher niemand", berichtet der Lichtenfelser enttäuscht.

Den Weg in die Öffentlichkeit hat der 35-Jährige bisher lange gescheut, obwohl ihm das Thema Mobilfunk schon lange am Herzen lag. "Ich hatte die Wahl zwischen nichts tun und abwarten, wegziehen oder etwas gegen den Mast zu unternehmen. Ich habe mich für das Letztere entschieden", meint Eisele und blickt beunruhigt durch sein Esszimmerfenster auf den Sendemast, der zwischen den Baumwipfeln hindurch zu sehen ist.

Neue Wohnung genommen

Einen anderen Weg wählte eine junge Frau, die zusammen mit ihrer Familie weg vom Burgberg und dem "Krebsmacher" (ein Anwohner) zog. Die Ärzte stellten bei der Lichtenfelserin Brustkrebs fest. "Ob der Sendemast mit seinen Strahlen die alleinige Ursache für den Tumor war, kann ich nicht sagen", äußert sich die Frau vorsichtig. Sie nimmt aber an, dass die Elektrowellen bereits geschädigte Zellen weiter zerstören und damit das Wachstum von Krebs fördern würden. ,,Wir haben uns bewusst eine Wohnung gesucht, die weit weg von jedem Sendemast steht."

Weiter am Burgberg wohnen bleibt dagegen eine andere junge Familie. "Was sollen wir machen? Wir haben unser Haus doch erst vor ein paar Jahren gekauft", erzählt die Frau. Sie selbst leide unter einem geschwächten Immunsystem, sei sehr anfällig für Krankheiten. Sobald sie von der Arbeit nach Hause komme, leide sie unter Kreislaufproblemen.

Die hat Sven Eisele noch nicht, doch er hat Schlafstörungen. Ursache ist seiner Meinung der Funkturm. Doch nicht nur deswegen will er den Sender weghaben. "Ich mache mir Sorgen um die Kinder", sagt Eisele. Dass er mit der Bürgerinitiative sein Ziel erreichen kann, davon ist der 35-Jährige überzeugt. Schließlich habe es in Holzkirchen bei München eine Bürgergruppe geschafft, einen Funkmast stillzulegen.

Die Initiative "Senderfreies Lichtenfels" plant übrigens im April oder Mai die Veranstaltung eines Vortrages zum Thema mit einem namhaften Referenten. Außerdem wolle man das Gespräch mit Verantwortlichen der Stadt suchen, um über mögliche andere Standorte des Sendeturms zu diskutieren. Wer bei der Bürgerinitiative mitmachen möchte, erhält weitere Informationen bei Sven Eisele, Tel. 09571/73355.

*Namen von der Redaktion geändert.

//portal.obermain.de/pub/index.php?mid=75&aid=408&if=10258411.html


Nachricht von der BI Bad Dürkheim



Krebshäufung in der Nähe von Mobilfunksendeanlagen
//omega.twoday.net/stories/580235/
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