16
Mrz
2005

Wal-Marts Ethik

Mit der Gehaltsabrechnung des Monats Februar erhielt jeder Mitarbeiter von Wal-Mart Germany eine Zusammenfassung der so genannten "Statements of Ethics" (SOE). Gleichzeitig wurden im Unternehmen an den schwarzen Brettern und im Personalbereich entsprechende Plakate ausgehängt. Die Richtlinie "Unternehmensethik" mit der internen Nummer PW-12, ist Teil einer Reihe von Wal-Mart-Richtlinien, die die unterschiedlichsten Arbeits- und Lebensbereiche der Mitarbeiter regelt. So gibt es Richtlinien die im Falle von (vermutetem) Alkohol- und Drogenmissbrauch (PD-16) eintreten genauso wie für die Nutzung von Computern, Modems, Internetnutzung und Sicherheit (Il-06). Hintergrund für die aktuelle Neuausgabe der "Ethikrichtlinien" ist laut dem internen Kommunikationsleitfaden, "…dass zunehmend verschärfte Anforderungen an die Unternehmensführung von US-Unternehmen (Corporate Governance) gestellt werden…" In der internen Mitteilung, die uns vorliegt, heißt es: "Der Gesamtbetriebsrat wurde bereits über das Thema "Statement of Ethics" informiert". Eine Formulierung, aus der eindeutig hervorgeht, dass er das Papier nie zu sehen bekommen hat. Daher verwundert auch nicht, dass der Betriebsrat laut einer Meldung der Financial Times Deutschland vom 15. März 2005, derzeit den Gang zum Arbeitsgericht vorbereitet. Dies wäre auch durchaus nachzuvollziehen, hat das Wal-Mart-Management schon immer ignoriert, dass es in Deutschland so etwas wie Mitbestimmung gibt. Insbesondere, wenn sich ein Management erdreistet, sich um das Liebesleben seiner Mitarbeiter zu kümmern: "Sie dürfen nicht mit jemandem ausgehen oder in eine Liebesbeziehung mit jemandem treten, wenn Sie die Arbeitsbedingungen dieser Person beeinflussen können, oder der Mitarbeiter Ihre Arbeitsbedingungen beeinflussen kann.", heißt es in der Richtlinie. Auch die Maßnahmen die bei Nichtbeachtung vom Unternehmen angedroht werden, lassen keine Wünsche offen: "Angemessene Disziplinarische Maßnahmen, bis hin zur Kündigung, sind gegen jeden Mitarbeiter zu ergreifen, dessen Verhalten diese Unternehmensethik oder gültige Gesetze und Bestimmungen, einschließlich dieser ethischen Leitprinzipien, verletzt. Selbstanzeige bei Missachtung von ethischen Prinzipien wird begrüßt und möglicherweise bei Festlegung der angemessenen disziplinarischen Maßnahmen Berücksichtigung finden." "Beachten Sie jederzeit die Gesetze! Wenn Sie erfahren, das ein anderen Mitarbeiter ein Gesetz verletzt, oder wenn Sie von einem anderen Mitarbeiter, der dies tut oder von dem Sie annehmen, dass er dies tut, dazu aufgefordert werden, haben Sie darüber unverzüglich zu berichten.", heißt es weiterhin, der direkte Aufruf zur Denunziation von Kollegen.

Siehe dazu

WalMart. Unternehmensethik (Nummer PW-12) vom 1. November 2004 (pdf)(knapp über 1 MB!)
//www.labournet.de/branchen/dienstleistung/eh/walmartethik.pdf

Talking Points - SOE (Statement Of Ethics) Kommunikationsleitfaden für Vorgesetzte (pdf)
//www.labournet.de/branchen/dienstleistung/eh/walmarttp.pdf

Wir bitten um Verständnis für die schlechte Qualität, haben die Dateien nicht direkt vom Management erhalten….

Siehe dazu auch

Statement of Ethics (Number PD-10) as revised on January 1, 2005 - die englische Fassung auf der USA-Homepage des Unternehmens (pdf)
//media.corporate-ir.net/media_files/IROL/11/112761/corpgov/Ethics%20_Current.pdf



Neuer Dämpfer für Wal-Mart

Der weltgrößte Handelskonzern Wal-Mart bekommt sein Deutschlandgeschäft nicht in den Griff. Entgegen Ankündigungen von Deutschlandchef Kay Hafner schrumpft die Warenhauskette weiter und wird Ende Juni erneut eine Filiale schließen. Artikel von Nicola de Paoli und Christiane Ronke in FTD vom 15.3.2005
//www.ftd.de/ub/di/1110611612579.html?nv=hptn

Aus dem Text: "…"In weiten Teilen sind solche Ethikrichtlinien mitbestimmungspflichtig", sagt etwa der Arbeitsrechtsexperte Manfred Confurius. Wal-Mart hatte seine deutschen Ethikvorschriften aber nicht zuvor dem Betriebsrat vorgelegt. Derzeit werde der Gang zum Arbeitsgericht vorbereitet, hieß es bei den Arbeitnehmervertretern…"


Aus: LabourNet Nachrichtensammlung, Band 23, Eintrag 10


Wal-Mart droht Mitarbeitern mit Filialschließungen
//omega.twoday.net/stories/571849/




Der US-Handelskonzern Wal Mart hat einer Strafzahlung in Höhe von elf Millionen Dollar zugestimmt, um einen heiklen Fall vom Tisch zu bekommen. In einigen Filialen waren illegale Einwanderer für die Reinigung beschäftigt worden - nach Angaben der Anwälte unter Missachtung jeglicher Ethik-Regeln.

AP

Wal-Mart-Filiale: Nachtschichtarbeiter eingesperrt?

Washington - Insgesamt 250 Fälle sind dokumentiert, in denen die Handelskette illegale Einwanderer über einen Hausmeister-Service angestellt hatte. Die Mexikaner, Polen, Russen oder Mongolen mussten an sieben Tagen oder Nächten pro Woche Putzdienste leisten.

Überstunden seien nicht vergütet worden, erklärte James Lindsey, der die Betroffenen als Anwalt vertritt. Außerdem habe im Falle von Arbeitsunfällen keinerlei Absicherung existiert. Die Arbeiter der Nachtschichten seien zudem oft in der jeweiligen Filiale eingesperrt worden.

Die Ermittlungen hatten sich über längere Zeit hingezogen. Im vergangenen Oktober schließlich hatten Fahnder in einer gemeinsamen Aktion 60 Wal-Mart-Filialen in 21 Bundesstaaten der USA durchsucht und Mitarbeiter ohne Aufenthaltsgenehmigung ausfindig gemacht. Dass die Geschäftsleitung über deren Anstellungen informiert gewesen sei, belegten Abhörprotokolle, sagte ein Ermittler. (...)"

Aus: //www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,347196,00.html



"Wal-Mart muss 14,5 Millionen Dollar zahlen

Der US-Einzelhandelsgigant Wal-Mart zahlt mehrere Millionen Dollar Bußgeld, weil er Schusswaffen an Unbefugte oder ohne nötige Überprüfung der Personalien verkauft hat. Von 2000 bis 2003 hat der Konzern allein in Kalifornien mehrere tausend Mal nachweislich gegen die Bestimmungen verstoßen.(...)"

Aus: //www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,335763,00.html
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