20
Jul
2005

Nun gibt`s Post für die Ärzte

Mobilfunk-Volksbegehren: In Wildsteig 39,55 Prozent dafür

VON BRIGITTE GRETSCHMANN

Landkreis - Zwischen der Roche-Stadt Penzberg und dem Bauerndorf Wildsteig liegen nicht nur 50 Kilometer Fahrstrecke, zwischen den beiden Orten liegen auch Welten beim Abstimmungsergebnis zum Volksbegehren "Gesundheitsfürsorge beim Mobilfunk": In Penzberg gab es mit 5,49 Prozent die geringste Beteiligung, in Wildsteig mit 39,55 Prozent die höchste. Landkreisweit unterschrieben 10,47 Prozent der Wahlberechtigten. Das ist das zweitbeste Ergebnis bayernweit. Im Nachklang des Begehrens erhalten alle Ärzte im Landkreis vom Aktionsbündnis eine Dokumentation über gesundheitliche Folgen des Mobilfunks.

"Natürlich sind wir mit dem Landkreisergebnis sehr zufrieden", so Karl Edenhofer (Oberhausen) vom Aktionsbündnis für das Volksbegehren. Liegt der Landkreis mit seinen 10,5 Prozent doch hinter Bad-Tölz Wolfratshausen (10,6 Prozent) zusammen mit Lichtenfels auf dem zweiten Platz in Bayern. Bayernweit - hier wurden 4,4 Prozent erreicht - sei allerdings eine Chance für mehr Gesundheitsvorsorge vergeben worden. Die Mobilfunkbetreiber, so befürchtet er, "werden jetzt verstärkt in Wohngebiete drängen".

Edenhofer vergleicht die Folgen des Mobilfunks mit denen der Holzschutzmittel: "Wie gefährlich die sind, das konnte auch erst nach 30 Jahren nachvollzogen werden." Um den Ärzten im Landkreis Weilheim-Schongau eine Hilfestellung bei Diagnosen unklarer Krankheitsbilder zu geben, wird das Aktionsbündnis binnen der nächsten beiden Wochen allen die Broschüre "Dokumentierte Gesundheitsschäden unter dem Einfluss hochfrequentierter elektromagnetischer Felder (Mobilfunkanlagen)" zuschicken.

Das Wildsteiger Votum von 39,55 Prozent erklärt sich Edenhofer unter anderem damit, dass dort, wie überhaupt im Landkreis, von Mitgliedern des Aktionsbündnisses sehr viel gearbeitet wurde. "Der Bürgermeister ist außerdem voll hinter uns gestanden", so Edenhofer weiter. Auch ein "konkretes Problem mit einem Masten" habe das Bewusstsein der Bevölkerung geschärft.

Emotional verunsichert

Die guten Ergebnisse für Volksbegehren gerade in ihrem Stimmkreis - das zur Forstreform hatte es auf 17,5 Prozent gebracht - führt die CSU-Landtagsabgeordnete Renate Dodell vor allem "auf die starken Kräfte, die hier wirken" zurück, namentlich nannte sie seit Jahren bekannte Umweltaktivisten wie Hans Schütz aus Peiting. Zudem sei die "Bevölkerung emotional verunsichert". Dass das Volksbegehren bayernweit gescheitert ist, bezeichnet Dodell, auch stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, als "insgesamt richtig". Denn: "Es hätte in der Tat keine Verbesserungen für die Bürger gebracht".

mm

20.07.2005

http://www.marktplatz-oberbayern.de/regionen/weilheim/art1616,295827.html?fCMS=b5503317a5f7ea2f76d17c4eaae8b2e8


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