23
Jun
2005

Strahlung unterm Esstisch

Protest - Großes Interesse beim Infoabend der Bürgerinitiative gegen die Mobilfunkanlage Metzinger Straße

»Strahlung unterm Esstisch«

VON MAGDALENA KABLAOUI

ENINGEN. Das Thema brennt den Eningern offensichtlich auf den Nägeln: Wie gefährlich ist Mobilfunk? Trotz Hitze und räumlicher Enge kamen über 100 Interessierte zur Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative, darunter Bürgermeisterin Margarete Krug und elf Gemeinderäte.

Der Protest in Eningen gegen die Ausweitung des Sendernetzes ist sichtbar. GEA-FOTO: US

Aktuell geplant ist in Eningen ein UMTS-Sender-Standort in der Metzinger Straße in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern (wir berichteten). Seit 2001 steht dort bereits ein Sendemast, der Betreiber O2 hatte damals einen langjährigen Vertrag mit dem Grundstücksbesitzer abgeschlossen. Als jetzt die Anlage eingerichtet werden sollte, wehrten sich die Anwohner. Bürgermeisterin Krug versucht derzeit in Gesprächen, den Betreiber für einen anderen Standort, außerhalb der Ortsgrenzen von Eningen, zu gewinnen.

Wie man bei den Verhandlungen mit den Betreibern möglichst erfolgreich vorgehen kann, was man als Initiative und was jeder Einzelne tun kann, darüber berichtete Jürgen Groschupp, Mitglied im Mobilfunk Bürgerforum, einem Dachverein gegen Elektrosmog in Baden-Württemberg. Der Großbettlinger ist seit sieben Jahren von der Problematik betroffen und hat zusammen mit einer dortigen Bürgerinitiative durch Verhandlungen erreicht, dass der Sendemast in Großbettlingen abgebaut und außerhalb des Ortes verlagert wurde.

Handy selten benutzen

Er machte klar, dass man es als Handynutzer selbst in der Hand habe, wie viel Sendemasten beispielsweise nach Eningen kommen und plädierte für ein sehr reduziertes telefonieren mit Handys.

Die gesetzlich festgelegten Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung in Deutschland seien »gigantisch hoch«. Es gebe jedoch etliche Hinweise und Untersuchungen, die belegten, dass weit unterhalb dieser Grenzwerte biologische Effekte aufträten, die diverse Gesundheitsstörungen hervorrufen können, angefangen von Schlafstörungen bis hin zum gehäuften Auftreten von gewissen Krebsarten und Erbgutschäden, so Groschupp. Der Werteverlust der umliegenden Wohngebäude belaufe sich auf durchschnittlich 5 bis 30 Prozent, auch wirtschaftlich rechne sich die Aufstellung eines Mastes nicht, der dem Verpächter bei laufendem Betrieb etwa 3 000 Euro im Jahr einbringt.

Als Nachbarn habe man die Möglichkeit, sich zusammenzuschließen und auf Wertminderung zu klagen, ergänzte Susanne Holz von der Bürgerinitiative und unmittelbare Anliegerin des geplanten Standorts in der Metzinger Straße.

Diplom-Ingenieur Dietrich Ruoff, der in Erkenbrechtsweiler ein Ingenieurbüro für Baubiologie und Messtechnik betreibt, klärte in einem informativen, aber für die späte Stunde etwas langem Vortrag über die hohe Strahlenbelastung und die Gefahren auf, die beispielsweise von Handy, Radiowecker und Mikrowelle ausgehen können.

Die gepulste Hochfrequenz in der Mobilfunktechnik bedeute Stress für das biologische System. Mobilfunk und Krebs - das sei ein »unkalkulierbares Risiko«.

Mobilfunkstrahlungen im Ort werden beispielsweise durch Häuser und Bäume reflektiert und gestreut. Den Wohnraum schützen könne man gegebenenfalls durch bestimmte reflektierende Materialen, über die man sich fachmännischen Rat einholen müsse.

Schlechte Standortwahl

Ruoff gab konkrete Tipps, wie man die Handystrahlung reduzieren könne. Vor allem in Verbindung mit Vorbelastungen und Vorschädigungen des Menschen können die Emissionen des Mobilfunks Krankheiten hervorrufen, so der Baubiologe.

In der anschließenden Fragerunde, die Rechtsanwalt Wolfgang Kurz, der ebenfalls der Bürgerinitiative angehört, leitete, gab es vor allem Fragen zum Standort Eningen.

Als »katastrophal« bezeichnete Ruoff die Wahl des Standortes an der Metzinger Straße, da mehrere hangaufwärts stehende Häuser von der Strahlung unmittelbar betroffen seien: »Da haben Sie die Strahlung unterm Esstisch.« Er rät, einen Standort zu suchen, der deutlich höher liegt.

Nach Empfehlung des Verbandes Mobilfunk Bürgerforum sollte ein Sendemast mindestens 400 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt stehen. In Eningen, das wurde an diesem Abend deutlich, gibt es bereits etwa zehn Mobilfunkstandorte (vor allem GSM-Technik), zwei davon in der Nähe von Kindergärten.

Weitere drei Standorte sind geplant. Man wolle erreichen, dass geplante außerhalb der Ortschaft errichtet werden, so Susanne Holz, und dass Sicherheitsabstände zu Kindergärten und Schulen eingehalten werden.

Für die Betreiber, das machten Groschupp und Ruoff klar, sei jedoch ein Standort im Ort rentabler, da dadurch doppelt so viel Nutzer erreicht werden können. (GEA)

//www.gea.de/detail/445703
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