16
Jan
2006

Sind die verchipten Hipster die ersten Cyborgs?

RFID: Funk-Chips als Modegag

Modetrends aus den USA
Aus der Rubrik: Privacy Watch
Montag, 16. Januar 2006
von Christian Rentrop

Was tut die Jugend nicht alles, um zu missfallen. Immer größere Tatoos, Piercing, Branding, Zungenspalting und Metallhaken-unter-die-Kopfhaut-Schraubing schocken nicht nur Eltern, sondern auch den Rest der Menschheit. Stoff für Talkshows, das Problem: Man gewöhnt sich schnell an den Anblick. Deshalb hat sich die amerikanischen Jugend etwas Neues ausgedacht: Tagging.

Immer rein damit!

Tagging? Das gibt's doch schon. Beliebter Gag in Bussen, an Bahnhöfen, Hauswänden: Es wird eine Unterschrift hinterlassen, wahlweise mit Superfett-Edding oder eben mit Sprühdose. Das allerdings ist nicht gemeint. Vielmehr lässt sich die Jugend der Vereinigten Staaten nach einer Meldung der Nachrichten-Agentur Reuters immer öfter RFID-Funkchips spritzen. Die kurz "Tags" genannten Silizium-Implantate haben der Bewegung ihren Namen gegeben, die RFID-Verrückten bezeichnen ihre Vorgehensweise auch als "Chipping". Und das geht so: Man nehme einen RFID-Chip, spritze ihn unter die Haut und schon zählt man zur neuen, hippen Gruppe der "Getagten". Klingt albern? Ist es auch.

Das Tagging von Lebewesen ist nämlich keinesfalls eine neue Idee. Die Implantation von RFID-Chips beim Menschen war bereits 2004 ein Thema, Haustiere und Nutzvieh sind schon seit langer Zeit "Nutznießer" der Technologie. Das etwa reiskorngroße Implantat besteht aus einem winzigen RFID-Chip, der in ein Glaskügelchen eingelassen ist. Das soll nicht nur verhindern, dass der Chip kurzschließt, auch unangenehme Reaktionen des Körpers auf Silizium können auf diese Weise ausgeschlossen werden.

"Mach mir den Sendemast!"

Doch was für Daten sind auf den RFID-Chips gespeichert? Mit Hilfe der kleinen Funker lassen sich zum Beispiel Türen wie durch Zauberhand öffnen, Autos ohne Schlüssel starten oder Computer sichern. Kein technisches Gerät, bei dem es nicht denkbar ist, dass RFID-Chips den Job erledigen, der bisher durch Passwörter, Schlüssel oder Handarbeit durchgeführt werden musste. Sogar die Speicherung von Ausweisdaten sind denkbar, genormt ist in diesem Zusammenhang allerdings noch nichts, außer der RFID-Technologie an sich.

Das "Chipping" jedenfalls scheint zum Trend zu werden. Und es ist sicherlich eine schöne Vorstellung, dass zum Beispiel der iPod oder das Handy nur in der Hand ihres Besitzers funktionieren, weil dieser den passenden RFID-Chip implantiert hat. Und natürlich sind viele andere Anwendungen machbar. Die Chip-Technologie ist genormt und kann jederzeit mit entsprechenden Lesegeräten ausgelesen werden. Eine datenschutzrechtliche Bedrohung besteht jedoch nicht: Die Reichweite der winzigen Chips ist zu gering, als dass das Risiko bestünde, im Rahmen einer RFID-Messung auf der Straße ausgelesen zu werden. Denn die Chips werden durch einen Sender nur aktiviert und funken zurück. Starke Signale sind aufgrund der geringen Größe der Chips kaum möglich.

Verchipte Hipster und andere Körperschmuck-Fanatiker

Sind die verchipten Hipster nun die ersten Cyborgs? Offensichtlich gibt es Menschen, die nichts dagegen haben, sich mit elektronischen Komponenten "verbessern" zu lassen. Es steht außer Frage, dass die Tagger auch zu anderen technischen Upgrades greifen werden, sobald sie verfügbar sind. Woran ja im Grunde auch nichts Falsches ist. Spätestens beim in der Science-Fiction-Literatur beschriebenen Austausch von Körperteilen sollten aber zumindest normal veranlagte Menschen einen Stopp einlegen. Doch gerade die Körperkünstler, die sich gerne einmal durchstechen oder bemalen lassen, dürften daran ihre Freude haben.

Gut, dass es sich bei den Taggern zur Zeit eher um technisch Interessierte und nicht um verrückte Schönheits-Fanatiker handelt. Zumal deren Liebe zu körperlichen Schmerzen durch die Harmlosigkeit des Chip-Implantierens wohl kaum angesprochen werden dürfte: Das beschränkt sich nämlich auf einen Nadelstich wie bei einer Impfung. Nichts für die Nadel-Fanatiker aus dem Körperschmuck-Lager. Die ersten Freaks zeigen bereits ihre "Operationen" im Internet.

Dienste für den Chip-Träger von Welt

Anbieter der Chipimplantate sind Unternehmen wie VeriSign, die nicht nur das subkutane RFID-Implantat entwickelt haben, sondern auch dessen Verbreitung vorantreiben. Auf den Chips selbst ist übrigens kaum mehr als eine Seriennummer gespeichert, die den Träger mit Hilfe einer Datenbank eindeutig identifiziert. Entsprechende Dienste, zum Beispiel die Speicherung von Ausweis- oder Schlüsseldaten, übernimmt VeriSign. Sinn macht diese Form der Anwendung vor allem bei Patienten in Krankenhäusern oder Sträflingen.

Wird der Chip nicht mehr gebraucht, lässt er sich durch einen kleinen Schnitt mit dem Skalpell jederzeit entfernen. Die Gefahr, dass das Implantat zu sehr mit dem Fleisch verwächst, sodass eine größere Operation vonnöten wäre, ist dank der Glas-Hülle überaus gering. Allerdings besteht auch ein wesentlich größeres Problem als das des eingewachsenen Implantats: Skrupellose Verbrecher könnten Einbrüche und Autodiebstähle demnächst mit den Chips der Besitzer durchführen, natürlich ohne dass der Besitzer noch mit dem Chip zusammenhängt. Es gilt also die Parole "Augen auf beim Autokauf", Fahrzeuge, die einen mumifizierten Arm als Schlüsselanhänger haben, sollten gemieden werden.

//www.netzwelt.de/news/73410-rfid-funkchips-als-modegag.html


Nachricht von der BI Bad Dürkheim
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