3
Okt
2004

Landwirte fühlen sich "hintergangen"

Bad Waldsee

Landwirte fühlen sich "hintergangen"

BAD WALDSEE - Am liebsten würden sie "das Ding aufs Rathaus setzen": Landwirte aus Mattenhaus und Schellenberg machen mobil gegen einen Mobilfunkmasten, der seit ein paar Tagen ganz in ihrer Nachbarschaft steht. Den Bauern stinkt vor allem, dass sie von der Stadt nicht informiert wurden. Sie fühlen sich "hintergangen".

Von unserem Redakteur Michael Kaiser

Es ist eine fast unwirkliche Szene, die sich am Donnerstagabend auf der Anhöhe zwischen Schellenberg/B 30 und Kohhaus abspielt. Hier, wo die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein verläuft, wo im Boden auch der Hochbehälter vergraben ist, der die Wasserversorgung der Stadt sicherstellt, sieht man weit hinaus übers Land, sieht die Kuppel der Schwaben-Therme leuchten und hat den Bussen im Blick, Oberschwabens "Heiligen Berg".

Hier steht seit ein paar Tagen auf einem Betonsockel auch ein 40 Meter hohes stählernes Ungetüm: ein Mobilfunkmasten des Netzbetreibers E-plus. Ein "Schandfleck", sagen die Bauern. Er soll die "Funklöcher" in dieser Gegend schließen, die geplagten Handy-Nutzern auf dem Weg durch Oberschwaben das Telefonieren verleiden. Drei Arbeiter, die sich noch an dem Masten zu schaffen machen, wirken leicht irritiert. Es trifft sich gut, dass gerade Feierabend ist.

Die Bauern sind mit Sack und Pack, Kindern, Kuh, Traktor und einem Protesttransparent gekommen: Markus und Anita Maucher aus Schellenberg, Robert und Daniela Maucher, die Verwandten aus Mattenhaus, dazu Maria und Karl-Heinz Lott, Claudia und Manuel Bertsch, Franz und Brigitte Schmid, alle aus Mattenhaus. Und ein paar, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen. Die Aufschrift auf ihrem Protestplakat lautet: "Gesundheitlich unbedenklich? Information gescheitert."

Eigentlich müssten Landwirte um diese Zeit in den Stall. Doch das Anliegen ist ihnen zu wichtig. Sie fürchten die "Strahlenbelastung", fürchten die "Funkwellen" und sorgen sich um die Fruchtbarkeit des Viehs in den Ställen. Mehr noch: Die Bauern und Bäuerinnen berichten von einer zunehmenden Zahl von "Verkalbungen" (Totgeburten) - zumindest dort, wo solche Masten schon eine Weile stehen. Ja, sie haben Angst um ihre Existenz: "Wir leben doch von der Milchwirtschaft." Belastungen haben sie, unabhängig von den Fährnissen der Landwirtschaft und jenseits der Mobilfunkproblematik, auch so schon genug zu erdulden. B 30 und Starkstromleitungen (Stichwort "Elektrosmog") zum Beispiel. Und das, "obwohl wir seit Jahrhunderten hier leben".

Omega siehe hierzu “Die "Rinderstudie" unter: //omega.twoday.net/stories/350564/

Nicht nur aus dem Bauch

Man spürt: Da spricht nicht nur der Bauch. In den lediglich etwas mehr als zwei Wochen, seit dem Tag, an dem sie den Betonmischer kommen sahen und das Aufrichten des Mastens begann, haben sich die Menschen bereits sehr grundsätzlich mit der Materie befasst. Vergangenes Wochenende waren sie extra in Ravensburg und haben eine Veranstaltung von Mobilfunkgegnern besucht. Und dabei erfahren, dass "Bad Waldsee die mobilfunkfreundlichste Gemeinde im ganzen Umkreis" sein soll.

Die Enttäuschung über das Vorgehen der Verwaltung sitzt tief. "Die Stadt schiebt die Kohle (zwischen 3000 und 4000 Euro, Anm. d. Verf.) ein, und wir zahlen's mit unserer Gesundheit." Die Mattenhauser stört vor allem, dass nur ein direkter Anlieger zu Kohhaus gehört und die Genehmigung des Sendemastens als Grundstücksangelegenheit nicht öffentlich im Verwaltungsausschuss behandelt wurde. Ihr Schluss: "Wir fühlen uns hintergangen."

Auf dem Rathaus will man sich diesen Schuh nicht anziehen. Stadtpfleger Manz und Baurechtsamtsleiter Natterer verweisen auf die Gesetze. Danach haben sie alles richtig gemacht. Denn es gibt da den verflixten Paragrafen 35 im Baugesetzbuch, der bestimmte Vorhaben im Außenbereich "privilegiert" behandelt. Sprich: Wenn nicht besondere öffentliche Belange gegen ein Vorhaben sprechen, muss es genehmigt werden. Von dieser Ausnahmeregelung profitieren zumeist Landwirte - etwa dann, wenn sie neben ihrem alten ein neues Haus bauen oder einen Stall erstellen wollen. Doch besagte Rechtsvorschrift gilt auch für alle Einrichtungen, die für die öffentliche Versorgung von Bedeutung sind, Strom-, Gas- und Wasserleitungen zum Beispiel - aber auch Telekommunikationsdienstleistungen. Da gehört der Mobilfunk fraglos dazu.

Aufs eigene Dach

Doch die Rathausmannschaft will sich nicht hinter Paragrafen verstecken. Thomas Manz listet mehrere Fälle auf, in denen die Stadt die Genehmigung versagte, verweist etwa auf einen Vorgang im Kurgebiet und einen zweiten im Ballenmoos. Ausschlaggebend sei die "Unmittelbarkeit der Wohnbebauung". Auf gut deutsch: In oder direkt neben einem Wohngebiet sollte kein Mobilfunkmasten stehen.

Allerdings hat man im Rathaus auch schon die Erfahrung gemacht, dass "es ein Privater macht, wenn es die Stadt nicht macht". Dagegen scheinen auch Landwirte nicht gefeit, wie ein Beispiel im Bereich Ballenmoos beweist. Der Stadtpfleger: "Die einen Landwirte verteufeln's, die anderen machen's auf das eigene Dach."}

Halb Mattenhaus (und ganz Schellenberg) kamen am Donnerstagabend mit Kindern, Kuh und Protestschild zum Ortstermin mit der "Schwäbischen Zeitung" auf die Anhöhe zwischen B 30 und Kohhaus, wo seit einigen Tagen ein 40 Meter hoher Mobilfunkmasten steht. Die Landwirte sind sauer, dass sie von der Stadt nicht informiert wurden und planen nun für Sonntag, 17. Oktober, im "Kreuz" in Mattenhaus eine Veranstaltung. SZ-Foto: Michael Kaiser

(Stand: 02.10.2004 00:19)

//www.szon.de/lokales/bad_waldsee/stadt/200410020433.html


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