7
Jun
2004

Giftige Kleider? Tödliche Vergiftungen mit Bayer-Pestiziden

Der TV-Bericht „Giftige Kleider?“ des Südwestrundfunks zeigt, dass in Südindien Tausende von Landarbeitern durch das Pestizid Monocrotophos von Bayer vergiftet werden – häufig mit tödlichen Folgen. Im Folgenden dokumentieren wir Teile des Beitrags, unter anderem ein Gespräch mit Annick Dollacker von Bayer CropScience. Hierin schiebt die Bayer-Sprecherin die Verantwortung für die Vergiftungen auf die (häufig analphabetischen) Landarbeiter.

Im Baumwollgürtel von Südindien gibt es für die Bauern keine Alternative, Baumwolle ist die einzige Feldfrucht, die auf dem Weltmarkt verkäuflich ist. Und wie bei jeder Monokultur muss die Pflanze intensiv vor Schädlingen geschützt werden. Wie das geht, haben ihnen die Agrarberater der großen Chemiefirmen beigebracht: Mit Pestiziden, die die Schädlinge sofort töten sollen.

Monocrotophos heißt eines der Mittel, billig und hochgiftig. Leider auch für den Menschen. Doch das haben den Bauern weder die Hersteller noch die Pestizid-Händler gesagt. Monocrotophos ist in Europa längst verboten, sogar international geächtet ist es inzwischen. Auf keinen Fall darf das Gift auf die reife Baumwolle gelangen, denn die weiße Watte saugt sich voll mit den gefährlichen Chemikalien. Aber die Baumwollbauern hier sprühen, egal ob die Kapsel schon offen ist. (...)

Die verwendeten Pestizide sind zum Teil Nervengifte, die früher als Chemiewaffen im Krieg eingesetzt wurden. Die Sprüher baden regelrecht in Pestiziden. Und nach einem langen Arbeitstag können sie sich wegen der Wasserknappheit nicht einmal richtig waschen. Sie riskieren ihr Leben. Die Giftopfer finden wir hier: Auf der Intensivstation der größten Klinik in Warangal in Südindien. Regelmäßig kommen Baumwollbauern mit akuten Vergiftungen ins Krankenhaus. Manchmal sind es so viele, dass die Ärzte nicht mehr wissen, wohin mit ihnen.

O-Ton, Arzt:
"Dieser Patient wurde heute eingeliefert. Ein, zwei oder drei Fälle bekommen wir jeden Tag hinein. Es sind Fälle von direkter Vergiftung.“

Frage: Und in der Hauptsaison?

O-Ton, Arzt:
In der Hauptsaison werden Patienten eingeliefert, die dem Gift ausgesetzt sind und es eingeatmet haben. Es sind keine Selbstmörder, es handelt sich um beruflich bedingte Vergiftungen. Ohne sich zu schützen, gehen sie aufs Feld und sprühen. Und danach waschen sie sich nicht. Über die Haut wird das Gift aufgenommen und sie vergiften sich. In der Hauptsaison haben wir Hunderte solcher Fälle. Zwischen 30 und 50 an einem Tag.

Für viele kommt jede Hilfe zu spät. Bestimmte Pestizid-Moleküle zerstören die Nervenzellen. Auch wenn sich das medizinische Personal sehr bemüht, sie können nur wenige Giftopfer retten.(...)

Den riesigen Pestizid-Markt in Indien teilen sich im Wesentlichen: Dupont, Novartis und Bayer, der Chemieriese aus Leverkusen. Die Marke Bayer steht bei den indischen Baumwollbauern für Qualität. Und dies, obwohl in Indien Pestizide verkauft werden, die in Europa verboten sind.

Wir wollen wissen, warum der Weltkonzern das macht. Es vergehen Wochen, bis wir die Zusage für ein Interview bekommen. In Monheim treffen wir dann gleich auf drei Pressebeauftragte. Wir bekommen vorformulierte Antworten auf unsere schriftlich eingereichten Fragen. Was sagt Bayer zu den vielen kranken Baumwollbauern in Indien, die als Analphabeten die giftigen Pestizide ausbringen.

O-Ton, Annik Dollacker:
"Es ist natürlich dann der Punkt, wo der Landwirt die Produkte letztendlich ausbringt und wo er sicherstellen muss und auch er die Verantwortung übernehmen muss, dass er die Produkte korrekt ausbringt, so wie es auch in der Gebrauchsinformation steht, und dass er eben auch versucht eben Unfälle zu vermeiden, wo es nur irgendwie geht."

Frage: Und wenn das nicht passiert?

O-Ton, Annik Dollacker:
"Tja, wie gesagt, irgendwo liegt die Verantwortung auch bei dem Anwender selbst."

Die Pressesprecher zeigen uns das sogenannte Tropicarium. Wir wollen aber nicht die exotischen Pflanzen bewundern, sondern wissen, warum Bayer in Indien bis heute ein Mittel verkauft, dass seit mehr als 10 Jahren in Deutschland nicht mehr zugelassen ist.

O-Ton, Annik Dollacker:
"Ganz klar Monocrotophos. Wir verkaufen dieses Jahr Restbestände aus, es wird durch ein modernes, besseres Pflanzenschutzmittel ersetzt und auch das ist genau das Beispiel oder ein Beispiel dafür, dass wir also unsere Produktpalette ständig erneuern, nach den neueren Erkenntnissen."

Frage: Jetzt ist aber doch eigentlich dieser Prozess, dass es abgesetzt werden sollte, schon sehr lange im Gange, warum dauert das so lange?

O-Ton, Annik Dollacker:
"Das dauert in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich lange, einfach auch auf Grund der ökonomischen Bedingungen in den Ländern. Viele der älteren Produkte sind patentfrei und sehr kostengünstig für die Landwirte, die verlangen nach den Produkten."

Frage: Also, das heißt, Sie haben da keine Möglichkeit, das dann vom Markt zu nehmen oder wie kann man sich das dann vorstellen? Ihr Name steht ja drauf auf dem Produkt.

O-Ton, Annik Dollacker:
"Gut, ich hab ja gesagt, wir nehmen es vom Markt. Wenn Sie Bestände haben, dann müssen sie die verkaufen, einfach auch um die..."

Hier unterbricht ein anderer Pressesprecher das Interview. Schon seit 1996 verspricht Bayer, das Pestizid Monocrotophos vom Markt zu nehmen.

Wir sind wieder in Südindien, in der Textilmetropole Tirupur.

Nicht nur beim Anbau, sondern auch bei der Weiterverarbeitung leiden die Menschen unter den Giften. Die Arbeiterinnen berichten uns von Schwindel, Übelkeit und Ohnmachtsanfällen. Denn die Baumwolle ist vollgesogen mit den Rückständen der Pestizide. In der Halle stinkt es. Der Chemikaliendunst lähmt die Zunge. Die Frauen haben ständig das Gefühl zu verdursten. Und der Chemieeinsatz bei der Baumwolle geht weiter.

In Deutschland verbotene Chlorbleichmittel werden hier in Indien standardmäßig eingesetzt, damit die Baumwolle weiß wird. Bei den späteren Färbeprozessen gelangen auch wieder Chemikalien auf die Baumwolle, die bei uns längst verboten sind. Das sind zum einen Mittel, von denen man in Europa weiß, dass sie Allergien auslösen können. Zum anderen sind es die AZO Farben, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Krebs erzeugen. AZO ist in deutschen Textilien eigentlich nicht erlaubt.

Die meisten indischen Produzenten glauben an so etwas nicht.

Hier heißt es: Möglichst billig herstellen, um konkurrenzfähig zu sein. Und die Einkäufer aus Deutschland können die eingesetzte Chemiebrühe oft gar nicht identifizieren.

Dazu kommt die Umweltzerstörung im indischen Tirupur.Keine Kläranlage der Welt könnte diesen Giftcocktail wirklich bewältigen. Mit den eingeschränkten Möglichkeiten hier: ausgeschlossen.

Diese Anlage wurde mit deutscher Entwicklungshilfe gebaut. Doch selbst das geklärte Wasser enthält noch drei Gramm Chlor pro Liter, die neue Baumwolle wird damit gewaschen. Nicht einmal die Entsorgung des Klärschlamms ist geregelt. Die Frauen bringen den Giftmüll nur von der einen zur anderen Stelle. Hier können die Chemikalien wieder ungehindert ins Grundwasser sickern. Tirupur, ein wichtiges Zentrum der internationalen Textilproduktion, eine stinkende Kloake.(...)

Betrifft: "Giftige Kleider?"

Autorinnen: Inge Altemeier, Beate Greindl, Redaktion: Oliver Merz

SWR, 26. April 2004 //www.swr.de/betrifft

Das Skript des kompletten Beitrags senden wir gerne zu.


Coordination gegen BAYER-Gefahren
CBGnetwork@aol.com
//www.CBGnetwork.de
Tel: 0211-333 911
Fax 040 – 3603 741835

Beirat
Dr. Sigrid Müller, Pharmakologin, Bremen
Dr. Erika Abczynski, Kinderärztin, Dormagen
Eva Bulling-Schröter, ehem. MdB, Berlin
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, ehem. MdB, Burgwald
Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin
Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln

Dorothee Sölle,Theologin, Hamburg (U 2003)
Prof. Dr. Anton Schneider, Baubiologe, Neubeuern
Prof. Jürgen Junginger, Designer, Krefeld
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