21
Nov
2004

Die Vorwärts-Flucht der Handybetreiber

Die immer breiter werdende Front von Bürgern gegen den Wildwuchs im Bereich der Telekommunikation zeigt Wirkung. Die entgeltliche Sonderbeilage (Mobilfunk & Gesellschaft, 6. November) ist für einen noch kritisch denkenden Menschen ein sichtbarer bzw. lesbarer Beweis dafür. In der 150-prozentigen Beruhigungstherapie steht u. a. in einem Text: ". . . die Wirkung der Handystrahlung auf das menschliche Gehirn schließt sogar positive Effekte nicht aus." Für wie dumm wird die Bevölkerung unseres Landes eigentlich gehalten?

Man darf wohl davon ausgehen, dass nicht das Infrastrukturministerium aus Steuermitteln eine Werbekampagne für die vom Bund an private Betreiber übertragene Versorgungsverpflichtung in Form einer bezahlten Anzeige von vier Seiten trägt. So bleibt die Frage, wer die nicht unbeträchtlichen Kosten dafür und ein Gutachterteam von sicher nicht unentgeltlich arbeitenden Universitätsprofessoren aufbringt. Warum richtet in einer so sensiblen Frage der Gesundheitsvorsorge akkurat jene Dienststelle, die selbst für die flächendeckende Versorgung des Landes mit modernen Telekommunikationsmitteln zuständig ist, den Fachbeirat ein? Wo bleiben Verantwortung und Kompetenz eines Gesundheits-, Umwelt- und Wissenschaftsministeriums in einem so komplexen Problembereich mit äußerst differenzierten Sichtweisen?

Fachlich muss den ehrenwerten wissenschaftlichen Mitgliedern des Fachbeirates der erläuternde Bericht zur Verordnung über den Schutz von nicht-ionisierender Strahlung des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft vom 23. Dezember 1999 entgegen gehalten werden. Dort heißt es: "Nicht-ionisierende Strahlung ist in der heutigen Umwelt nachgewiesen, bei niedriger Intensität bestehen begründete Hinweise auf schädliche Wirkungen." Im Kapitel 23 zum Aspekt der Wirkung auf den Menschen steht u. a.: "Auch wenn von wissenschaftlicher Seite keine weiteren Bestätigungen verlangt werden, sind die festgehaltenen Auswirkungen bereits heute in die vorsorglichen Schutzüberlegungen mit einzubeziehen."

Diese Schwarz-Weiß-Malerei fördert Verunsicherung in der Bevölkerung, vor allem aber leidet das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft durch derartig einseitige PR-Darstellungen. Die Politik wäre daher dringend aufgefordert, in einer koordinierten und konzentrierten Weise auf Bundes- und Landesebene entsprechende glaubwürdige Schritt zu setzen.

Mag. Manfred Mohr
Der Autor war Kulturdirektor des Landes Oberösterreich

Quelle:
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=m&ressort=q&id=451766


Nachricht aus Elektrosmognews vom 21.11.2004



Forscher und Forschungsergebnisse von der Industrie bezahlt
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