3
Okt
2004

Handys als Dual-use-Technik

Florian Rötzer 03.10.2004

Der schnelle Aufbau von Mobilfunknetzen im Irak war eine der wenigen Erfolge beim Wiederaufbau, aber Handys sorgen auch für größere Unsicherheit

Der Wiederaufbau im Irak kommt schleppend voran, obgleich auch wegen weiter fehlender Strom- oder Trinkwasserversorgung der Unmut der Iraker gegenüber den USA gewachsen ist. Die vom US-Kongress bewilligten 18 Milliarden wurden noch kaum ausgegeben, gerade erst wurde beschlossen, einige Milliarden in die Sicherheit zu investieren. Sie ist tatsächlich angesichts der Vielzahl der Entführungen, Anschläge und Kämpfe Voraussetzung für den Wiederaufbau und für nötige Investitionen. Eine der wenigen Erfolge des Wiederaufbaus war noch der unter dem US-Verwalter Bremer gestartete Aufbau von Mobilfunknetzen. Während diese angesichts der wenigen Festnetzverbindungen für die Kommunikation ganz entscheidend geworden sind, dienen sie im Sinne von "dual use" aber nun auch den Terroristen und Aufständischen.

Nachdem im letzten Jahr die Lizenzen für den Aufbau der Mobilfunknetze vergeben wurden, haben sich im Irak wie überall auf der Welt Handys durchgesetzt. Es sind in aller Regel Pre-Paid-Handys, die aber aus der Perspektive der Überwachung einen großen Nachteil haben: Sie können benutzt werden, ohne dass ihre Besitzer zurück verfolgt werden können.

Handys wurden daher neben dem Internet, oft in Medienberichten als zentrales Instrument der Terroristen thematisiert und auch dämonisiert, nicht nur zu einem wichtigen Kommunikationsmittel für Terroristen, die sich damit verständigen und koordinieren oder auch Verhandlungen über die Freilassung von Geiseln können. Überdies wurden sie für diejenigen, die keine Selbstmordanschläge begehen wollen, zu einer der beliebtesten "Waffen", denn sie dienen dazu, Sprengladungen aus der Ferne zu zünden. So können Explosionen zur "richtigen" Zeit ausgelöst werden, weil die Täter aus sicherer Entfernung das Ziel beobachten und nach erfolgter Tat relativ risikofrei untertauchen können. Mit einem Signal, das mit einem Garagenöffner, einem Funkautoschlüssel, einem Funkgerät, einem Pager oder eben einem Handy gegeben wird, lässt sich ein Zünder für eine Sprengfalle aktivieren. Mit der Weckfunktion von Handys kann die Explosion, wie in Madrid geschehen, zu einer bestimmten Zeit ausgelöst werden. Alles eine Technik, die keine großen Kenntnisse und Vorkehrungen verlangt.

In Bali, in Madrid oder bei vielen der Sprengfallen (Improvised Explosive Devices - IEDs) und Autobomben im Irak wurden Handys verwendet, um die Sprengladungen zur Explosion zu bringen. Das ist eine billige und einfache Methode - und normalerweise wird es nicht möglich sein, die Täter, die das Handy benutzt haben, so schnell zu identifizieren, dass sie noch gefangen genommen werden können, wenn sie nicht so dumm sind, das Handy weiterhin zu benutzen.

Das US- Militär versucht, die Verwendung von Handys zumindest nach bereits erfolgten Detonationen durch Jamming zu unterbinden, um weitere Zündungen zu verhindern. Wie Reuters berichtet
http://www.reuters.co.uk/newsArticle.jhtml?type=technologyNews&storyID=6390052&section=news, wurden manchmal auch Handys von Irakern und ausländischen Journalisten konfisziert, wenn sie in der Nähe eines Anschlagorts telefonieren wollten.

Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/18468/1.html

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Handys und der Strahlungswahnsinn
http://omega.twoday.net/stories/356956/
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