6
Okt
2005

Piracher wehren sich gegen Mobilfunkanlage

Pirach / Traunreut - Seit zwölf Jahren steht auf dem Wasserturm in Pirach eine Mobilfunksendeanlage, vor fünf Jahren kam eine zweite hinzu. Fast genau so lange quälen Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel viele der 60 Einwohner. Die Zahl der Krebserkrankungen ist auffallend hoch. Fünf Jahre noch glaubten die Menschen in dem Örtchen auf Trostberger Gemeindegebiet durchhalten zu müssen, bis 2010 die Verträge zwischen den Mobilfunkbetreibern und den Traunreuter Stadtwerken, den Besitzern des Wasserturms, auslaufen. Doch jetzt haben sie davon Wind bekommen, dass einer der Mobilfunkriesen bereits eine Vertragsverlängerung beantragt hat.

Gerade 50 Meter trennen die Familie Schopf vom Wasserturm. Als Reinhold Schopf mit Frau und Kindern vor fünf Jahren nach Pirach zog und der Protest gegen die Errichtung der zweiten Mobilfunkanlage in vollem Gang war, protestierte er wie selbstverständlich mit. Was es tatsächlich bedeutet, nur wenige Meter neben einer Mobilfunksendeanlage zu leben, weiß der 44-Jährige erst heute. Oft schläft er schlecht, fühlt sich morgens wie gerädert - obwohl der Belastungswert mit 350 Mikrowatt pro Quadratmeter um ein Vielfaches unter dem zulässigen Grenzwert liegt. Verbringt die Familie ihre freie Zeit im Ferienhäuschen im Bayerischen Wald, sind die Beschwerden wie weggeblasen.

Die in einer Studie Bamberger Ärzte aufgeführte Symptomliste von Menschen, die langfristig elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt sind, ist lang: Müdigkeit, depressive Stimmung, Unruhe, Allergien, Ohrgeräusche, Herzrhythmusstörungen, Tumorerkrankungen und und und. «Da finde ich unser Dorf wieder», sagt Reinhold Schopf.

Und deshalb gehen die 60 Piracher jetzt auf die Barrikaden. Vergangene Woche sind 40 von ihnen ins Traunreuter Rathaus gefahren. Eindringlich appellierten sie an Bürgermeister Franz Parzinger, die bestehenden Verträge nicht über 2010 hinaus zu verlängern. Ihre Sorge: «Wir befürchten, dass die Stadt Traunreut unsere Gesundheit und Lebensqualität hinter die Mieteinnahmen aus dem Betrieb der Sendeanlagen stellt.»

Ein Festhalten an den beiden Mobilfunksendeanlagen erscheint ihnen umso weniger nötig, als nur 800 Meter nördlich des Ortes eine weitere Anlage steht. Deshalb kommt für die Piracher auch kein Alternativstandort in Frage: «Wir wollen nicht, dass andere mit Gesundheitsbeeinträchtigungen leben müssen.» Trostbergs Bürgermeister Ignaz Sperger steht hinter seinen Bürgern - und zeigte das nicht zuletzt mit seinem Erscheinen im Traunreuter Rathaus. Schon im Juni sprach sich der Trostberger Stadtrat gegen eine Verlängerung der Verträge mit den Mobilfunkanbietern aus.

Die Entscheidung aber liegt beim Werkausschuss der Stadt Traunreut. Sie soll noch im Oktober in einer nichtöffentlichen Sitzung fallen. «Ich werde den Ausschuss über die Einwände informieren», meinte Franz Parzinger. Den Chiemsee Nachrichten sagte er, er könne beide Seiten, die Piracher und die Mobilfunkbetreiber, verstehen. «Ich glaube, dass es Menschen gibt, die empfindlicher sind als andere Aber ich weiß auch, dass jeder, der ein Handy besitzt, ein lückenloses Netz haben will.» Nicht einfacher werde die Situation durch den Umstand, dass Pirach zu Trostberg gehöre, der Wasserturm aber zu Traunreut.

Reinhold Schopf ist enttäuscht von Parzinger, zumal sein Vorgänger Eduard Wiesmann sich in seiner Amtszeit bereits gegen eine Vertragsverlängerung ausgesprochen hatte. Schopf ärgert vor allem, dass der Bürgermeister nicht klar Stellung bezieht und sich letztlich hinter dem Werkausschuss versteckt - «und das, wo er selbst Vorsitzender des Ausschusses ist». Seine Gesundheit und die seiner Familie und Nachbarn in den Händen von acht Ausschussmitgliedern zu wissen, lässt Reinhold Schopf nicht besser schlafen. «Für die ist Pirach doch weit weg», legt er genervt nach.

Still sein wollen die Piracher noch lange nicht. Von den beiden ersten Sendeanlagen hätten sie erst erfahren, als die Verträge bereits unterschrieben waren. Diesmal wollen sie die Chance nutzen, vorher handeln zu können. «Wir protestieren lauthals weiter», gibt sich Reinhold Schopf kämpferisch. Wenn sein Protest ungehört bleibt, weiß der Familienvater nicht, wie es weitergehen soll. Die Fenster auf der zur Anlage gewandten Hausseite hat er bereits mit Metallgittern verschlagen, die die Strahlung abschirmen sollen. Derzeit denkt er über metallene Baldachine für die Betten nach. Eine teure Anschaffung: eine Baldachin kostet 2000 Euro. Wenn die Anlagen über 2010 hinaus in Pirach bleiben, sagt er, schließt er einen Wegzug nicht aus.

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